16.10.2007 Unternehmen stellen Bilanzierung auf internationalen Standard um
Prof. Bockholt, Stephan Schneider PROF. HEINRICH BOCKHOLT, KOBLENZ
STEPHAN SCHNEIDER, STRIKE CONSULTING, LEINFELDEN
Ausgabe Handelsblatt 16.10.2007
Erfolgreiche Leasingunternehmen haben in der Vergangenheit immer wieder auf neue regulatorische Anforderungen reagiert. Die Globalisierung des Marktes stellt die Unternehmen künftig vor die Herausforderung, ihre Bilanz auf die internationale Rechnungslegung IAS umzustellen. Zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Geschäftsfeld werden Forderungen aus Leasinggeschäften verstärkt an ausländische Investoren verkauft. Die Informationsbedürfnisse dieser Investoren werden durch die IAS-Bilanzierung weitgehend erfüllt.
Von den Leasingunternehmen wird in Zukunft aber noch mehr erwartet. Leasingnehmer werden vermehrt auf Daten des Leasinggebers für ihre eigene Buchhaltung zurückgreifen, da der Verwaltungsaufwand für die komplexen Sachverhalte für den Leasingnehmer unverhältnismäßig hoch ist. Viele Informations- und Buchhaltungssysteme stoßen hierbei an ihre Grenzen, parallele Rechnungslegung sowie finanzmathematische Ergebnisse zu liefern.
Um Kosten für ein neues System zu sparen, werden Leasingnehmer ihre mit dem Wirtschaftsprüfer abgestimmten Grundsätze zur Bilanzierung von Leasingverträgen nach IAS auf den Leasinggeber übertragen, um eine heterogene Bewertung ihrer Leasinggeschäfte zu vermeiden. Klassifizierungsergebnisse, finanzmathematische Berechnungen, Cash-flows sowie vorgefertigte Buchungsvorgänge werden zukünftig in einem definierten Format vom Leasinggeber erwartet, sodass der Leasingnehmer diese Daten in sein internes und externes Rechnungswesen übernehmen kann.
Nach Schätzung müssen nach Einführung von IAS rund 50 bis 60 Prozent der abgeschlossenen Leasingverträge beim Leasingnehmer aktiviert werden. Zu Beginn des Leasingverhältnisses wird der Vermögenswert sowie der Schuldenwert mit dem beizuliegenden Zeitwert oder mit dem Barwert der Mindestleasingzahlungen (falls dieser niedriger ist) bilanziert. Mit jeder Rückzahlung der Leasingrate wird der Schuldenwert um den Tilgungsanteil reduziert. Der Vermögenswert ist entsprechend den Grundsätzen der Regeln IAS 16, 36 und 38 abzuschreiben.
Finanzierungs-Leasingverhältnisse stellen beim Leasingnehmer somit eine Verschlechterung des Verhältnisses von Eigenkapital zu Fremdkapital in der IAS-Bilanz dar. Zukünftig werden Ratingagenturen vermehrt ihre Bewertung der Unternehmen an der IAS-Bilanz ausrichten.
Für börsennotierte Unternehmen ist die internationale Rechnungslegung seit 2005 ein Muss. In der Praxis verwalten Unternehmen ihre Leasingverträge in zahlreichen, individuellen Excel-Tabellen. Bedient sich das Unternehmen für das Leasinggeschäft einer Objektgesellschaft, ist der Verwaltungsaufwand aufgrund der Komplexität um ein Vielfaches höher. Buchungsvorgänge müssen nach der internationalen Rechnungslegung sowie nach den weiterhin geltenden Erlassen von 1971, 1972, 1975 und 1991 gebucht werden.
Ein zuverlässiges und funktionales Buchhaltungssystems gewinnt daher an Bedeutung. Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein IAS unterstütztes Leasingsystem einzurichten, muss sich dem Thema Ressourcenbeschaffung zuwenden. Der Markt bietet nur wenige Berater, die den ganzheitlichen Ansatz von IAS, der sich von der Finanzmathematik über die Bewertung bis hin zu Buchungslogiken erstreckt, in Kombination mit System-Know-how verstehen.
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